Pornografie im Internet

Für die Zeitschrift EMMA ist Pornographie die „Verknüpfung von sexueller Lust mit Lust an Erniedrigung und Gewalt“, für andere der per- fekte Begleiter auf dem Weg zu sexuellen Höhe- punkten. Manche sehen in Pornographie eine gefährliche Vorlage und fürchten um die mora- lischen Säulen unserer Gesellschaft, für andere ist Pornographie gleichzusetzen mit Science Fiction-Serien und Filmen mit Kampfrobotern.

Was auch immer Pornos sind und was man von ihnen hält, Fakt ist: Im Leben von Jugend- lichen spielen sie eine zunehmend große Rolle. Fakt ist aber auch: Über die tatsächlichen Fol- gen und Auswirkungen auf das Sexualverhalten von Jugendlichen ist bisher wenig bekannt.

Eine aktuelle Studie aus dem baltischen Raum „The Baltic Sea Regional Study on Adolescents‘ Sexuality“ (2007) fand heraus, dass 93,1 % der befragten 18-jährigen jungen Männer aus Skandinavien und dem baltischen Raum porno- graphische Zeitschriften gelesen, porno- graphische Filme gesehen oder im Internet auf pornographische Inhalte zugegriffen zu haben. 63,8 % der jungen Männer wiederholt dies täg- lich, wöchentlich oder monatlich mehrmals. Bei den befragten 18-jährigen jungen Frauen traf letzteres nur auf 7,7 % zu.

Diese Zahlen decken sich in etwa mit den Er- fahrungen aus den sexualpädagogischen Ver- anstaltungen mit Jugendlichen in der pro familia- Beratungsstelle in Hamburg. Viele Jungen und Mädchen ab Klasse 6 berichten, schon mal freiwillig oder unfreiwillig im Internet mit porno- graphischen Inhalten konfrontiert worden zu sein. Die Einschätzungen der Jugendlichen dazu sind vielfältig. Manche Jungen und Mädchen ekeln sich vor den Darstellungen in Pornos. Manch einer erhofft sich einen Lern- effekt oder findet sie einfach nur „geil“. Andere fühlen sich verunsichert. In jedem Fall sorgen sie für mächtigen Diskussionsstoff; nicht aus- schließlich innerhalb der geschlechtshomo- genen Gruppen, sondern insbesondere auch zwischen den Geschlechtern.

Porno, Chat und SchuelerVZ … trotz aller Chan- cen und Möglichkeiten (Netzwerke, Austausch, Informationen, kreative Eigengestaltung, techni- sche Wissensaneignung) müssen Jugendliche sich in diesem Dschungel an Angeboten erst einmal zurechtfinden. Für viele ist das nicht im- mer eine leichte Aufgabe. Insbesondere beim Blick auf Pornographie müssen Jugendliche lernen, das Gesehene mit den eigenen Vorstel- lungen und Wünschen von Sexualität und vom sexuellen Miteinander abzugleichen und kritisch zu hinterfragen.

Was bedeutet das für die Sexualpädagogik bei pro familia? Ein Zauberwort heißt Medien- kompetenz! Es geht darum, sich mit Schüle- rInnen darüber auszutauschen, was hinter der Pornographie steckt, die ihnen in den Medien begegnet. Es ist eben hauptsächlich „ge- machte“ und nicht „gelebte“ Sexualität. Nach sexualpädagogischem Verständnis bedeutet es außerdem, Jugendliche – Jungen wie Mädchen – in der Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen, Ängsten, Phantasien und Grenzen zu begleiten und diese im Kontext von sexueller Selbstbestimmung zu thematisieren. Jugendliche, die ihre persönlichen Grenzen ken- nen und spüren, wissen, wann ihnen etwas „zu weit geht“. Jungen und Mädchen, die gelernt haben, sich offen über Sexualität auszu- tauschen, können bei „sexuellen Kontakten“ besser über diese Themen miteinander reden.

Die Schule ist für diese Thematik oftmals nicht der richtige Ort und Lehrkräfte sind nicht im- mer die richtigen AnsprechpartnerInnen. Des- halb ist es so wichtig, dass Jugendliche bei der pro familia einen Raum vorfinden, in dem sie unter erwachsener Begleitung ihre Fragen stellen können und sich ohne den moralischen Zeigefinger über ihre Erfahrungen mit porno- graphischen Bildern austauschen können.

Das Thema Pornographie bietet uns immer wieder eine Chance, den Rechteansatz der pro familia (in Bezug auf Sexualität) in den Raum zu holen und wichtige Diskussionen an- zustoßen.