pro refugees – sexuelle Bildung für geflüchtete Minderjährige

Auszug:

Silja Matthiesen, Andreas Gloël, Anna­Lena Leifermann und Annika Arens

Das Recht ge üchteter Jugendlicher auf sexueller Bildung ist unbestritten. Bei der Ausgestaltung von Angeboten gibt es allerdings noch viele o ene Fragen, berichten SexualpädagogInnen aus Hamburg

Im November 2015 erreichte pro familia Hamburg eine dringende Anfrage einer Erstversorgungseinrichtung für männliche unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF). Dort sind gegenwärtig ca. 170 junge Männer in einer ehemaligen Schule untergebracht. Jugendliche aus verschiede- nen Herkunftsländern – hauptsächlich Syrien, Afghanistan und Eritrea – leben auf engstem Raum zusam- men. Die Unterbringungsverhältnisse sind schwierig: „Die zu bewältigende Zahl an neu ankommenden UMF hat die Qualität bei der Erstaufnahme bereits abgesenkt: in Hamburg müssen die jungen Flüchtlinge bereits in Bettenlagern in zwei Turnhallen, in Räumen zu 10 und ggf. mehr Bettstellen und in über den Standard belegten Zimmern untergebracht werden“, so der Bericht des Landesbetriebs für Erziehung und Beratung (LEB), der in Hamburg für die Inobhutnahme und Erstversorgung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zuständig ist (vgl. Müller 2015, S.2). Hinter diesen trockenen Zeilen verbirgt sich eine bedrückende Lebenswirklichkeit: massive Fremdbestimmung des Alltags; hohe Desorientierung in einer fremden Sprache und Kultur; extreme Überforderung angesichts der zu bewältigenden bürokratischen Antragsverfahren; oftmals Konflikte mit anderen Flüchtlingen; keinerlei Privatsphäre; Sorge um Angehörige sowie die eigene Existenz und Zukunft. Für alle diese jungen Männer wünscht sich die Einrichtungsleitung Sexualau lärung von pro familia.